App Entwickler für Unternehmen finden: 8 Prüffragen vor der Unterschrift

Veröffentlicht 27. August 202610 Min. Lesezeit
Planung einer App-Architektur auf einem Besprechungstisch

Wer App Entwickler für Unternehmen finden will, stößt schnell auf Verzeichnisse, Freelancer-Portale und Agenturen mit polierten Referenzseiten. Das Angebot ist groß, aber die Auswahl wird dadurch nicht leichter. Ein Profil zeigt, was jemand kann. Es zeigt kaum, ob er Ihr Geschäft versteht und ob Sie in zwei Jahren noch über Ihre Software bestimmen.

Dieser Beitrag setzt deshalb bei der Entscheidung an, nicht bei der Suche. Sie bekommen acht Prüffragen für das erste Gespräch und erfahren, was nach der Auswahl zählt: Quellcode, Zugänge, Pilotphase und Ausstieg. Technisches Wissen brauchen Sie dafür nicht, wohl aber Klarheit über Ihr Ziel. Die Fragen funktionieren bei Einzelpersonen genauso wie bei Studios.

Vier Wege zum Entwicklungspartner und was jeder verlangt

Wie Sie App Entwickler für Unternehmen finden, hängt zuerst vom Vorhaben ab, nicht von der Plattform. Das Portal freelance.de nennt auf seiner Seite über 20.530 Freelancer-Profile für die App-Entwicklung. Solche Zahlen zeigen Reichweite, sagen aber nichts über Passung. Ordnen Sie darum zuerst die Art des Partners ein und erst danach den Namen.

WegStärkeRisikoPasst, wenn
Freelancer über ein PortalDirekter Draht, flexible BeauftragungEin Ausfall betrifft das ganze Projekt, Design, Backend und Tests liegen bei einer PersonDie Aufgabe klein und klar umrissen ist
Verzeichnis oder VermittlungGroße Auswahl, erste VorauswahlDie Qualität lässt sich schwer prüfen, die Vermittlungsbedingungen müssen Sie klärenSie Ihre Anforderungen bereits gut beschreiben können
Studio oder AgenturTeam aus Produktdesign, Entwicklung und TestAbhängigkeit vom Anbieter, wenn die Übergabe nicht geregelt istDas Produkt Design, Backend und Betrieb zusammen braucht
FestanstellungWissen bleibt im HausRecruiting dauert, Fixkosten laufen weiter, die Auslastung schwanktDer Entwicklungsbedarf dauerhaft besteht

Zwischen Festanstellung und Studio

Der Entwickler Walantis Giosis sagte der Computerwoche schon 2012, die meisten Unternehmen würden App-Entwickler am liebsten fest anstellen. Der Artikel ist älter, aber das Dilemma ist geblieben. Ein eigenes Team bringt Wissen ins Haus, bindet jedoch Gehalt und Führung, auch wenn die Arbeit schwankt. Für ein erstes Produkt mit offenem Umfang ist ein externes Team deshalb oft die flexiblere Wahl.

Brauchen Sie Produktdesign, Entwicklung und Betrieb aus einer Hand, bietet sich ein Studio an. Unabhängige Studios vertreten genau dieses Modell, bei Xerx finden Sie es unter Individualsoftware und Web-Apps von Xerx beschrieben. Wie sich eine Agentur und ein spezialisiertes Studio bei einem ersten Produkt unterscheiden, erklärt der Beitrag zur Entscheidung zwischen Agentur und Studio für Ihr MVP. Beide Wege haben Vorzüge, aber auch Risiken, und die hängen von Ihrem Umfang ab.

Der Markt ist breit, Profile sagen wenig

Das Problem liegt seit Jahren weniger bei fehlenden Namen als bei der Bewertung. Die Computerwoche zum Arbeitsmarkt für App-Entwickler zitierte 2012 den Bitkom-Experten Tobias Arns: Es sei schwierig zu erheben, woran Softwareentwickler arbeiten, da nur wenige ausschließlich Apps programmieren. Der Titel App-Entwickler beschreibt also selten ein klares Profil. Manche denken in Oberflächen, andere in Schnittstellen und Datenhaltung.

Auch der Vermittler Gulp meldete damals, dass im ersten Quartal 2012 in 0,9 Prozent der Projektanfragen Mobile-App-Spezialisten gesucht wurden, bei insgesamt 46.518 Anfragen. Die Zahl ist alt und beschreibt Freelancer-Anfragen, kein heutiges Marktbild. Gulp betonte aber, dass wegen der großen Bandbreite an IT-Fähigkeiten nur wenige Aufgabenprofile zweistellige Anteile erreichen. Für Sie heißt das: Verlassen Sie sich auf Gespräche, nicht auf Etiketten.

App Entwickler für Unternehmen finden: acht Prüffragen für das erste Gespräch

Die folgenden Fragen sortieren Anbieter nach Eignung, nicht nach Auftritt. Stellen Sie sie in dieser Reihenfolge, denn spätere Antworten bauen auf früheren auf. Notieren Sie die Antworten schriftlich, so vergleichen Sie Angebote später fair.

1. Versteht der Entwickler zuerst Ihr Problem?

Ein guter Partner fragt vor dem Angebot mehr, als er erzählt. Pedro Santos, damals App-Entwickler bei Valtech, sagte der Computerwoche, die Hauptaufgabe bestehe darin, festzustellen, was der Auftraggeber benötigt. Kunden wollten laut ihm eine funktionierende Lösung, und zwar schnell, weniger die Technik dahinter. Diese Haltung bleibt ein verlässlicher Test für jedes Erstgespräch.

Achten Sie darauf, wer redet. Fallen nach fünf Minuten Technologienamen, aber noch keine Fragen zu Nutzern, Abläufen oder Umsatz, ist das ein Signal. Bitten Sie den Anbieter am Ende, Ihr Problem in eigenen Worten zusammenzufassen. Eine falsche oder oberflächliche Zusammenfassung kostet später Zeit und Geld.

2. Kennt er Ihre Plattform-Entscheidung aus Erfahrung?

Native iOS-App, Android-App, plattformübergreifende App oder Web-App: Jede Variante verändert Budget, Wartung und Reichweite. Ein Partner, der nur eine Variante anbietet, wird sie auch dann empfehlen, wenn eine andere besser passt. Verlangen Sie deshalb eine Empfehlung samt Gegenargumenten. Gute Berater nennen, was gegen ihren eigenen Vorschlag spricht.

Lassen Sie sich außerdem zeigen, wie ähnliche Produkte aufgebaut waren und warum. Interessant sind die Gründe, nicht die Screenshots. Fragen Sie auch, wann eine Web-App genügt. Brauchen Ihre Nutzer Kamera, Push-Mitteilungen oder Offline-Betrieb, ändert sich die Antwort. Wenn nicht, sparen Sie womöglich das Verfahren für den Store.

3. Kann er Ihre bestehenden Systeme anbinden?

Viele Apps scheitern nicht an der Oberfläche, sondern an den Daten dahinter. Der Projektleiter Johannes Eiseler sagte der Computerwoche, Entwickler müssten Backend-Systeme und Prozesse anbinden, die bisher nur intern im Unternehmen liefen. Das gilt bis heute: Warenwirtschaft, CRM, Buchhaltung und Kundenkonten liegen meist an mehreren Orten.

Fragen Sie konkret, wie der Partner mit Ihrem ERP, Ihrer Kundendatenbank oder Ihrer Zahlungslösung umgehen würde. Sind Ihre Altsysteme schwer zugänglich, lohnt zuerst ein Blick auf die Software-Modernisierung zwischen Neubau und Refactoring. Ein ehrlicher Partner nennt Schnittstellen als Kostentreiber und Risiko, nicht als Fußnote.

4. Wie klein darf die erste Version sein?

Ein Entwickler, der sofort den vollen Funktionsumfang anbietet, hat Ihre Risiken womöglich nicht verstanden. Gefragt ist die kleinste Version, die eine Annahme prüft: Nutzen Kunden diese Funktion überhaupt? Christian Häfner nannte in seinem Gastbeitrag zum App Store auf deutsche-startups.de schon 2010 drei Kriterien, damit eine App auf dem Gerät bleibt: erkennbarer Mehrwert, schnelle Bedienung und fokussierte Information.

Machen Sie daraus einen Test für den Partner. Bitten Sie ihn, Ihr Vorhaben auf drei Funktionen zu kürzen und zu begründen, was fehlt. Wer ohne Zögern kürzt, denkt in Ergebnissen. Wer jede Funktion für unverzichtbar hält, rechnet womöglich eher in Aufwand als in Nutzen.

5. Wer arbeitet tatsächlich an Ihrem Projekt?

Klären Sie, ob die Person aus dem Vertriebsgespräch auch entwickelt. Bei Einzelpersonen lautet die Frage: Was passiert bei Krankheit, Urlaub oder voller Auslastung? Giosis erzählte der Computerwoche, er habe die Aufträge allein nicht mehr bewältigt und sei deshalb vom Freelancer zum Unternehmer geworden. Kapazität wird schneller zum Engpass, als viele Auftraggeber erwarten.

Bei Studios fragen Sie nach Namen und Rollen. Wer entwirft, wer baut, wer testet, wer verantwortet den Termin, und wer vertritt wen? Verlangen Sie eine feste Ansprechperson, die Ihr Projekt kennt. Ein Team bringt wenig, wenn Sie bei jeder Frage jemand anderen erreichen.

6. Wie laufen Meilensteine, Abnahme und Änderungen?

Ohne feste Takte läuft ein Projekt auseinander. Vereinbaren Sie Zwischenstände, die Sie selbst auf dem Telefon ausprobieren, denn kein Statusbericht ersetzt eine lauffähige Version. Legen Sie pro Meilenstein fest, was fertig heißt: welche Funktion, auf welchen Geräten, mit welchem Verhalten.

Klären Sie auch den Umgang mit Änderungen. Neue Wünsche tauchen auf, sobald echte Nutzer die App sehen. Ein guter Vertrag regelt, wie Änderungen bewertet, bepreist und eingeplant werden. Ob Festpreis oder Aufwandsabrechnung besser passt, hängt von der Klarheit Ihres Umfangs ab. Bei offenem Umfang bietet ein Festpreis oft nur scheinbare Sicherheit.

7. Wer kümmert sich um Store-Regeln und Veröffentlichung?

Eine fertige App ist noch keine veröffentlichte App. Die t3n-Sammlung von Tutorials zur App-Entwicklung verweist auf einen Beitrag darüber, was Entwickler beachten müssen, damit eine iOS-App im App Store erscheint. Bei Android berichtete heise online über neue Testregeln für Android-Apps. Entwickler müssen demnach mit strengeren Vorgaben rechnen, was den Weg zur Veröffentlichung potenziell verlängern kann.

Planen Sie deshalb Zeit für die Freigabe ein, auch wenn die Entwicklung abgeschlossen ist. Fragen Sie den Partner, wie er Store-Konten, Beschreibungstexte, Datenschutzangaben und Freigabeprozess handhabt. Die aktuellen Bedingungen lesen Sie bei Apple und Google selbst nach, denn sie ändern sich.

8. Was passiert nach dem Launch?

Eine App ist mit dem Start nicht fertig. Betriebssysteme ändern sich, Schnittstellen auch, und Nutzer melden Fehler. Fragen Sie, wer das übernimmt, in welchem Umfang und mit welchen Reaktionszeiten. Klären Sie außerdem, ob Sie Wartung getrennt vom Neubau beauftragen können.

Kalkulieren Sie diese Phase von Anfang an mit. Die laufenden Kosten gehören zu den Gesamtkosten und nicht in ein späteres Budget. Wie Sie den Betrieb im Rahmen Ihrer IT-Planung einordnen, zeigt der Beitrag zur Digitalisierungsstrategie für KMU.

Prüfen Sie nicht zuerst, wie gut ein Entwickler programmiert. Prüfen Sie, wie gut er Ihr Geschäft versteht.

Der blinde Fleck: Quellcode, Zugänge und Ausstieg

Wer einen App Entwickler für sein Unternehmen finden will, achtet meist auf Fähigkeit und Preis. Selten fragt jemand, was am Ende des Projekts in wessen Hand liegt. Dabei entscheidet genau das, ob Sie den Partner wechseln können, wenn die Zusammenarbeit endet. Klären Sie vier Dinge schriftlich, bevor die erste Rechnung kommt.

Vier Punkte, die in den Vertrag gehören

  • Quellcode und Nutzungsrechte: Wer hält welche Rechte, und dürfen Sie die Software ändern und weiterentwickeln lassen? Klären Sie auch, welche Drittkomponenten im Produkt stecken.
  • Konten auf Ihren Namen: Entwicklerkonten für App Store und Google Play, Domains, Hosting und Analysezugänge laufen besser auf Ihr Unternehmen als auf den Partner.
  • Dokumentation und Übergabe: Welche Unterlagen erhalten Sie, damit ein neues Team einsteigen kann, und wer erklärt die Struktur in einem Termin?
  • Ausstiegsregel: Kündigungsfristen, Übergabeaufwand und das Vorgehen bei Ausfall oder Insolvenz des Partners.

Warum seriöse Partner diese Fragen erwarten

Das ist keine Misstrauenserklärung, sondern Standard guter Zusammenarbeit. Wer sauber arbeitet, will diese Punkte ebenfalls geklärt sehen, weil sie auch ihm Planungssicherheit geben. Die rechtliche Ausgestaltung hängt vom Einzelfall ab, lassen Sie Vertrag und Rechteübertragung daher von einer Juristin oder einem Juristen prüfen. Fließen personenbezogene Daten durch die App, brauchen Sie in der Regel zusätzlich eine Vereinbarung zur Auftragsverarbeitung, die Ihre Datenschutzberatung einordnet.

Pilotphase statt Blindflug

Wenn Sie App Entwickler für Unternehmen finden möchten, ist eine bezahlte Pilotphase ein verlässlicher Weg zur Entscheidung. Sie beauftragen keine komplette App, sondern einen klar begrenzten Abschnitt mit fester Dauer. Am Ende haben Sie ein lauffähiges Ergebnis, ein Gefühl für die Kommunikation und eine belastbare Grundlage für das Angebot zum Rest.

Legen Sie vorab fest, woran Sie den Erfolg messen: Termintreue, Qualität der Rückfragen, Lauffähigkeit und Verständlichkeit der Dokumentation. Vereinbaren Sie außerdem, dass Sie nach dem Pilot ohne Nachteile aussteigen können. Das schützt beide Seiten, denn kein Partner will einen Kunden, der nur mangels Alternativen bleibt. Ein Pilot kostet Geld, begrenzt aber den Schaden, falls die Zusammenarbeit nicht passt.

Zwei Personen testen einen Prototyp, um App Entwickler für Unternehmen zu finden und zu bewerten
Ein lauffähiger Prototyp zeigt in der Pilotphase mehr als jedes Profil.

Ein konkreter Anfang für diese Woche

Das Verfahren, mit dem Sie App Entwickler für Unternehmen finden, endet nicht mit der Unterschrift. Beginnen Sie mit einer Seite, die beschreibt, wer die App nutzt, welches Problem sie löst und woran Sie Erfolg erkennen. Schicken Sie diese Seite an drei Anbieter und bitten Sie um ein Gespräch, nicht um ein Angebot. Vergleichen Sie danach, wer die besten Rückfragen gestellt hat, denn genau daran erkennen Sie, wer Ihr Vorhaben ernst nimmt.

Action Steps

  1. Ziel auf einer Seite festhalten: Beschreiben Sie Nutzer, Problem und Erfolgskriterium, bevor Sie mit einem Anbieter sprechen.
  2. Partnertyp wählen: Entscheiden Sie zwischen Freelancer, Vermittlung, Studio und Festanstellung anhand von Umfang und Betriebsanteil.
  3. Drei Gespräche führen: Stellen Sie jedem Anbieter dieselben acht Fragen und notieren Sie die Antworten schriftlich.
  4. Pilotphase beauftragen: Vergeben Sie einen begrenzten, bezahlten Abschnitt mit festen Kriterien und Ausstiegsmöglichkeit.
  5. Rechte und Zugänge regeln: Halten Sie Quellcode-Rechte, Konten, Dokumentation und Ausstiegsregeln im Vertrag fest und lassen Sie ihn juristisch prüfen.

Häufige Fragen

Wie finde ich einen App-Entwickler, der zu meinem Unternehmen passt?

Beschreiben Sie zuerst Ziel, Nutzer und Erfolgskriterium. Sprechen Sie dann mit mehreren Anbietern und achten Sie auf die Rückfragen. Wer Ihr Problem versteht, bevor er ein Angebot schreibt, passt meist besser als jemand mit der längsten Referenzliste. Eine kurze bezahlte Pilotphase schafft zusätzliche Sicherheit.

Soll ich einen Freelancer oder ein Studio beauftragen?

Ein Freelancer passt zu kleinen, klar umrissenen Aufgaben. Ein Studio lohnt sich, wenn Design, Backend, Tests und Betrieb zusammenkommen. Beachten Sie bei Einzelpersonen die Ausfallsicherheit, bei Studios die Frage, wer konkret an Ihrem Projekt arbeitet.

Was kostet ein App-Entwickler?

Das hängt von Umfang, Plattform, Anbindung an Ihre Systeme und Betrieb ab. Eine seriöse Zahl gibt es erst nach einer Klärung Ihres Vorhabens. Lassen Sie mehrere Anbieter auf Grundlage derselben Beschreibung kalkulieren und vergleichen Sie auch die laufenden Kosten nach dem Start.

Brauche ich eine App oder genügt eine Web-App?

Das hängt von den Funktionen ab. Brauchen Nutzer Kamera, Push-Mitteilungen oder Offline-Betrieb, spricht vieles für eine App. Ohne diese Anforderungen kann eine Web-App genügen. Lassen Sie sich die Empfehlung samt Gegenargumenten erklären.

Sollte mir der Quellcode gehören?

Regeln Sie Rechte und Nutzung ausdrücklich im Vertrag, damit Sie die Software später weiterentwickeln oder den Partner wechseln können. Wie die Rechte im Einzelfall aussehen, klärt eine juristische Prüfung.