Applaunch Agentur prüfen: 7 verlässliche Fragen vor der Beauftragung

Veröffentlicht 22. September 20269 Min. Lesezeit
Softwarearchitektur Planung auf einem Schreibtisch für den App-Launch

Wer eine Applaunch Agentur in Betracht zieht, trifft eine größere Entscheidung als die Wahl eines Anbieters. Sie legen fest, wie viel Geld und Zeit Sie in ein Produkt stecken, das noch keinen einzigen Nutzer hat. Agentur-Websites helfen dabei nur begrenzt, denn sie zeigen Leistungen und selten Entscheidungskriterien. Dieser Beitrag gibt Ihnen sieben Fragen an die Hand, mit denen Sie jedes Angebot vergleichbar machen.

Eine Einordnung vorab: Xerx ist ein unabhängiges Studio aus Innsbruck und damit selbst ein möglicher Mitbewerber. Die Fragen taugen trotzdem für jeden Anbieter, ob Applaunch, ein Freelancer-Team oder eine interne Entwicklungsabteilung. Zusätzlich behandelt der Beitrag, was nach der Veröffentlichung geschieht, weil dort ein großer Teil des Budgets und des Risikos liegt. Preise nennen wir bewusst nicht, denn sie hängen vom Umfang ab und gehören in ein schriftliches Angebot.

Was Applaunch über sich selbst sagt und was offen bleibt

Applaunch beschreibt sich auf der eigenen Website als App-Agentur aus München, die maßgeschneiderte Mobile-Apps für Startups und Unternehmen entwickelt. Auf LinkedIn steht, das Büro helfe seit 2013 Unternehmen, Startups und Gründern beim Bau von Softwarelösungen. Die Schweizer Seite nennt einen Standort in Bottighofen, mehr als 50 Entwickler sowie Projekte für iOS, Android und das Web. Das Leistungsspektrum reicht dort von UI/UX-Design über Hybrid-Apps bis zu Game-, VR- und AR-Entwicklung.

Die Angaben zur Teamgröße weichen voneinander ab. Trustpilot nennt über 42 Mitarbeiter, die Schweizer Seite mehr als 50 Entwickler, und LinkedIn bietet an, 66 Mitarbeiter anzuzeigen. Vermutlich beschreiben die Seiten unterschiedliche Stände und Standorte. Für Ihre Entscheidung zählt ohnehin etwas anderes: Welche konkreten Personen arbeiten an Ihrem Projekt? Eine Gesamtzahl sagt darüber nichts aus.

Wer nach Applaunch sucht, stößt außerdem auf App Launch, einen experimentellen Dienst im Bluemix-Portfolio von IBM aus dem Jahr 2017. Er ist ein Werkzeug für Entwickler und keine Agentur. Auf sein Prinzip kommen wir weiter unten zurück, weil es für Ihre Einführungsplanung nützlich ist.

Sieben Fragen an jede Applaunch Agentur und an jede Alternative

Die Reihenfolge der Fragen ist Absicht. Die ersten klären, ob Ihr Vorhaben überhaupt eine App braucht und wer sie baut. Die späteren regeln Geld, Rechte und Risiken, also die Punkte, die bei einem Streit zählen. Nehmen Sie die Liste in Gespräche mit und halten Sie die Antworten schriftlich fest.

Projektplan mit Meilensteinen zur Auswahl einer Applaunch Agentur
Ein schriftlicher Plan mit Etappen macht Angebote vergleichbar.

Frage 1: Braucht Ihr Vorhaben wirklich eine App im Store?

Beginnen Sie mit dem Nutzen, nicht mit dem Format. Eine native iOS- oder Android-App lohnt sich, wenn Sie Gerätefunktionen wie Kamera, Push-Mitteilungen oder Offline-Betrieb brauchen. Für Formulare, Dashboards und interne Werkzeuge reicht oft eine Web-App, die im Browser läuft und nur einmal gebaut wird.

Hybrid-Ansätze liegen dazwischen: ein gemeinsamer Code-Stamm für beide Plattformen, mit Abstrichen bei einzelnen Gerätefunktionen. Eine gute Beratung stellt die Formatfrage, bevor sie ein Angebot schreibt. Wenn Ihre Lösung eher ein Geschäftswerkzeug ist, können Individualsoftware und Web-Apps von Xerx ein sinnvolles Vergleichsangebot sein.

Frage 2: Wer arbeitet tatsächlich an Ihrem Projekt?

Die Schweizer Seite von Applaunch betont ein eigenes Team vor Ort und den Anspruch, echte Entwickler statt Verkäufer zu sein. Solche Aussagen sind Selbstbeschreibungen. Sie können sie im Gespräch konkretisieren, indem Sie nach Namen und Rollen fragen: Wer leitet das Projekt, wer entwirft, wer programmiert?

Klären Sie außerdem, ob Teile an Subunternehmer gehen und ob Sie die Beteiligten vor Vertragsabschluss sprechen dürfen. Ein stabiles Team über die gesamte Laufzeit nützt Ihnen mehr als eine große Gesamtbelegschaft. Wechselt die Besetzung mitten im Projekt, geht Wissen verloren, und Sie bezahlen die Einarbeitung mit.

Frage 3: Wie schneidet die Agentur das MVP zu?

Ein MVP ist die kleinste Version, die eine echte Annahme über Ihre Nutzer testet. Das Berliner Climate-Startup OneClimate beschreibt im Interview mit deutsche-startups.de seinen Weg: erste Ideen 2021, Prototyp und MVP 2022, offizieller Launch im August 2023. Zwischen Idee und Start lagen also mehrere Etappen mit Lernschleifen.

Verlangen Sie von jeder Agentur einen ähnlichen Plan. Was wird zuerst gebaut, was bewusst verschoben, und welche Frage soll die erste Version beantworten? Ein Angebot, das sofort alle Wunschfunktionen enthält, ist eher ein Vollprojekt als ein MVP. Es bindet mehr Budget, bevor Sie wissen, ob jemand die App nutzt.

Frage 4: Woraus setzt sich der Preis zusammen?

Verlangen Sie eine Aufschlüsselung statt einer Pauschale: Konzeption, Design, Entwicklung, Test und Projektleitung. Klären Sie, ob es einen Festpreis für definierte Phasen gibt oder eine Abrechnung nach Aufwand mit Obergrenze. Beide Modelle funktionieren, sie verteilen das Risiko nur unterschiedlich.

Fragen Sie außerdem nach den Folgekosten. Hosting, Wartung, Anpassungen an neue Betriebssystemversionen und Weiterentwicklung laufen nach dem Launch weiter. Erst mit diesen Posten können Sie die Gesamtkosten über mehrere Jahre schätzen. Konkrete Beträge erhalten Sie nur im schriftlichen Angebot zu Ihrem Umfang.

Frage 5: Wem gehört der Code, und wie kommen Sie wieder heraus?

Klären Sie vor der Unterschrift, wer die Nutzungsrechte an Quellcode und Design hält und auf wen die Entwicklerkonten für die App-Stores laufen. Fragen Sie, ob Sie Code und Dokumentation bei Projektende erhalten und ob ein anderes Team daran weiterarbeiten kann. Ohne diese Regeln binden Sie sich an einen Anbieter, auch wenn die Zusammenarbeit nicht mehr passt.

Die Schweizer Seite von Applaunch nennt Codequalität als Thema. Fragen Sie, woran Sie sie als Auftraggeber erkennen, etwa an Dokumentation und automatisierten Tests. Die rechtliche Formulierung sollte eine Juristin oder ein Jurist prüfen, weil die Regelungen je nach Vertrag unterschiedlich ausfallen.

Frage 6: Wie sehen Meilensteine und Abnahme aus?

Teilen Sie das Projekt in Etappen mit jeweils sichtbarem Ergebnis, zum Beispiel klickbarer Prototyp, erste lauffähige Version, Testphase und Veröffentlichung. Zu jedem Meilenstein gehört ein schriftliches Abnahmekriterium, etwa welche Abläufe fehlerfrei funktionieren müssen. Koppeln Sie Zahlungen an diese Etappen, damit Fortschritt und Kosten im Gleichschritt laufen.

Planen Sie auch Zeit für Ihre eigenen Rückmeldungen ein. Verzögerungen entstehen häufig auf Auftraggeberseite, wenn Entscheidungen fehlen. Fragen Sie außerdem, wie die Agentur Änderungswünsche während der Laufzeit behandelt und ob sie diese getrennt ausweist.

Frage 7: Wie geht die Agentur mit Datenschutz um?

Sobald Ihre App personenbezogene Daten verarbeitet, greift die DSGVO. Fragen Sie, wo die Daten liegen, welche Drittdienste eingebunden sind und ob ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung vorgesehen ist. Eine Agentur sollte Datenschutz im Konzept ansprechen und nicht erst kurz vor dem Start. Welche Pflichten Ihr Vorhaben konkret auslöst, hängt von Ihren Daten und Ihrer Zielgruppe ab; eine Datenschutzberatung kann das verbindlich klären.

Ein gutes Angebot erkennen Sie auch daran, dass es klar benennt, was zunächst nicht gebaut wird.

Nach dem Launch: gestaffelte Einführung statt Startschuss für alle

Der Launch ist kein Endpunkt, sondern der Beginn der Phase, in der sich zeigt, ob das Produkt trägt. Legen Sie deshalb vor Vertragsabschluss fest, wie die Einführung abläuft und woran Sie Erfolg messen. Dieser Teil entscheidet oft mehr über Ihr Ergebnis als die Wahl der Technologie.

Pilot vor Rollout

Eine gestaffelte Einführung begrenzt das Risiko. Die Social-Media-App Truth Social startete laut t3n zunächst nur im US-amerikanischen Apple App Store und damit nur für iOS. Der Chef der Betreibergesellschaft nannte Ende März als Ziel für den vollen Betrieb, zumindest innerhalb der USA.

Ein ähnliches Prinzip beschrieb IBM 2017 mit dem experimentellen Dienst App Launch. Laut heise online lassen sich neue Funktionen an einen prozentualen Teil der Nutzer ausspielen, Daten sammeln und per Roll-back zurücknehmen. Für Ihr Projekt heißt das: Starten Sie mit einer kleinen Gruppe, einem Markt oder einer Plattform. Wer erst lernt und dann skaliert, korrigiert früher und mit kleinerem Schaden.

Was nach dem Start weiterläuft

OneClimate berichtet im erwähnten Interview von kleineren Bugs beim App-Launch, die sich rechtzeitig lösen ließen. Gründer Simon Bail sagt zugleich, die App sei noch lange nicht fertig und brauche anhand des Nutzerfeedbacks stete Weiterentwicklung, bei knappen Ressourcen. Rechnen Sie also mit laufendem Aufwand. Apple nennt in einer von Computerwoche zitierten Bilanz, dass über die iBooks-App seit ihrem Start mehr als 400 Millionen Bücher geladen wurden. Nutzung fällt demnach lange nach dem Starttag an, und mit ihr Betreuungsaufwand.

Fragen Sie jede Agentur, wie sie die Zeit nach der Veröffentlichung regelt: Wer behebt Fehler, in welcher Frist, und was kostet die Weiterentwicklung? Legen Sie zwei oder drei Kennzahlen fest, die über Erfolg entscheiden. Typische Kandidaten sind wöchentlich aktive Nutzer, die Abschlussquote einer Kernaufgabe und die Zahl der Supportanfragen. Definieren Sie diese vor dem Start, sonst messen Sie hinterher, was gerade verfügbar ist.

Agentur, Freelancer, eigenes Team oder No-Code im Vergleich

Keine Organisationsform gewinnt pauschal. Die Tabelle ordnet vier Wege nach Kriterien, die für Ihre Entscheidung zählen, und verzichtet bewusst auf Preise.

KriteriumAgenturFreelancer-TeamInternes TeamNo-Code-Werkzeug
Start-TempoOft bereits eingespieltes TeamAbhängig von der VerfügbarkeitRekrutierung nötigSchnell bei einfachen Abläufen
Planbarkeit der KostenPhasenangebot möglichHängt vom Vertrag abFixe PersonalkostenLaufende Lizenzkosten
AbhängigkeitCode-Übergabe vertraglich regelnWissen liegt bei EinzelpersonenWissen bleibt im HausBindung an die Plattform
Typische EignungProdukte mit Design- und EntwicklungsbedarfKleine, abgegrenzte AufgabenProdukt als Kern des GeschäftsPrototypen und einfache interne Werkzeuge

Wer eine Applaunch Agentur anfragt, sollte mindestens ein Vergleichsangebot aus einer anderen Spalte einholen. So sehen Sie, wo Preisunterschiede aus unterschiedlichem Umfang entstehen und wo aus unterschiedlicher Organisation. Ein Vergleich von zwei identischen Angeboten zeigt Ihnen dagegen wenig. Er bestätigt höchstens, dass beide Seiten dasselbe verstanden haben.

Wenn Software schon existiert oder der Prozess unklar ist

Manchmal lautet die richtige Entscheidung nicht neue App. Läuft bereits Software, die an Grenzen stößt, lohnt zuerst die Frage, ob Neubau oder schrittweiser Umbau günstiger ist. Der Beitrag Neubau oder Refactoring: Software Modernisierung ohne Risiko erklärt die Abwägung. Eine Agentur, die beides anbietet, kann ehrlicher beraten als eine, die nur Neubau im Programm hat.

Ist dagegen der Prozess selbst unklar, hilft eine Kartierung vor jedem Angebot. Wer weiß, welche Schritte heute von Hand laufen und wo Daten verloren gehen, kann den Umfang präziser beschreiben. Warum Werkzeuge allein keine Strategie ersetzen, zeigt der Beitrag Warum Cloud-Speicher keine Digitalisierungsstrategie für KMU ist. Liegt der Hebel eher in der Automatisierung, hilft der Beitrag KI-Agenten für Unternehmen prüfen bei der Einordnung.

Ihr Briefing auf einer Seite

Schreiben Sie vor dem ersten Gespräch eine Seite: Zielgruppe, die eine Kernaufgabe der App, die gewünschte Plattform, drei Muss-Funktionen, zwei Erfolgskennzahlen, Budgetrahmen und Wunschtermin. Schicken Sie dieselbe Seite an drei Anbieter, darunter eine Applaunch Agentur, wenn sie in Ihrer engeren Wahl liegt. Vergleichen Sie danach die Rückfragen, nicht nur die Preise. Der Anbieter, der Ihre Annahmen am genauesten hinterfragt, hat meist das Projekt am besten verstanden.

Nächste Schritte

  1. Briefing schreiben: Halten Sie Zielgruppe, Kernaufgabe, Plattform, drei Muss-Funktionen, Erfolgskennzahlen und Budgetrahmen auf einer Seite fest.
  2. Drei Anbieter anfragen: Senden Sie dasselbe Briefing an eine App-Agentur, ein Freelancer-Team oder einen anderen Anbieter und vergleichen Sie die Rückfragen.
  3. Team und Rollen klären: Lassen Sie sich Projektleitung, Design und Entwicklung namentlich nennen und sprechen Sie die Beteiligten vor Vertragsschluss.
  4. Rechte und Abnahme fixieren: Regeln Sie Quellcode, Store-Konten, Meilensteine und Abnahmekriterien schriftlich und lassen Sie den Vertrag juristisch prüfen.
  5. Pilot und Kennzahlen planen: Starten Sie mit einer kleinen Nutzergruppe und legen Sie vorab zwei oder drei Kennzahlen für den Erfolg fest.

Häufige Fragen

Ist die Applaunch Agentur dasselbe wie der IBM-Dienst App Launch?

Nein. Applaunch beschreibt sich als App-Agentur, die Mobile-Apps für Startups und Unternehmen entwickelt. App Launch war laut heise online ein experimenteller Dienst im Bluemix-Portfolio von IBM, mit dem Entwickler neue Funktionen an Nutzergruppen ausspielen.

Wie viele Angebote sollte ich für eine App einholen?

Zwei bis drei vergleichbare Angebote reichen meist. Wichtig ist, dass alle auf demselben schriftlichen Briefing beruhen und mindestens eines aus einer anderen Anbieterform stammt, etwa von einem Freelancer-Team.

Was kostet eine App und wie lange dauert sie?

Beides hängt von Umfang, Plattformen und Funktionen ab, eine seriöse Zahl ohne Ihr Briefing gibt es nicht. Das Beispiel OneClimate zeigt einen Weg von ersten Ideen 2021 über MVP 2022 bis zum Launch 2023. Verbindliche Zeit- und Kostenrahmen erhalten Sie nur im schriftlichen Angebot.

Brauche ich für mein Vorhaben überhaupt eine App im Store?

Nicht unbedingt. Für Formulare, Dashboards und interne Werkzeuge genügt oft eine Web-App im Browser. Eine native App lohnt sich vor allem, wenn Sie Gerätefunktionen wie Kamera, Push-Mitteilungen oder Offline-Betrieb benötigen.